
MEGALITHISCHE KULTUR in Tirol
Von Mag. WERNER KRÄUTLER
Alpentäler waren in der mittleren und jüngeren Steinzeit nur mit größter Mühe begehbar. Dichtes Buschwerk und Wälder machten schon wenige Jahrhunderte nach dem Rückzug der Eiszeitgletscher ein Durchkommen schwierig. Es herrschte die pure Wildnis. Weshalb Archäologen lange Zeit angenommen hatten, dass Menschen die Alpen nur in Ausnahmefällen überquerten. Mit dem Fund des Eismannes vom Similaun änderte sich diese Annahme.

Jüngste archäologische Forschungsarbeiten belegen, dass Menschen schon kurz nach dem Ende der Würmeiszeit in die Wildnis der Alpen vorgedrungen sind. Die Frage war bisher, wie sie sich damals in einer totalen Wildnis orientieren konnten und ob es schon eine Art von Wegen gegeben hatte. Unsere Erkundungen und Nachforschungen im Nordtiroler Wipptal scheinen eine Antwort darauf zu geben, wie sich prähistorische Jäger und Sammler - sagen wir vor 11.000 Jahren - in den Alpen zurechtgefunden haben.
Der Ausgangspunkt für unsere intensiven Erkundungen zum Thema Schalensteine bildete eine Forschungsarbeit des Archäologen Dr. Dieter Schäfer, der im Fotschertal des Sellrain Ende der 90er Jahre und Anfang der 2000er Jahre ein Jägerlager ausgegraben hatte.
Mesolithische Jäger haben vor rund 11.000 Jahren begonnen, in diesem südlichen Seitental des Sellrain ein Sommerlager aufzubauen, das die Jäger und Sammler der mittleren Steinzeit dann über rund 1.500 Jahre hinweg immer wieder aufgesucht hatten. In der Beschreibung seiner Forschungsarbeit im Fotschertal "Mensch und Umwelt im Holozän Tirols, Band 1“ hat Schäfer unter anderem zwei prähistorische Wegstrecken verzeichnet, die östlich und westlich des Nordtiroler Wipptales verlaufen sind. Seine Annahme basiert auf den Oberflächenfunden von Silex entlang dieser Routen.
Bekanntlich haben Jäger und Sammler ihre Waffen und Werkzeuge jeweils vor Ort erzeugt, die Splitter (Abschläge genannt) dieser Tätigkeit sind heute noch zu finden. Da Silex in Nordtirol sehr selten zu finden ist, kann auf die Anwesenheit der Jäger und Sammler geschlossen werden. Deshalb sind Silexabschläge auf Höhen von über 2.000 m Seehöhe auch aufgrund der minimalen Humusbildung auch über lange Zeiträume hinweg oberflächlich zu finden.
Erstmalig wurden durch die Funde unseres Teams in den Jahren 2020 bis 2025 meghaltische Strukturen wie Steinkreise, Kultplätze und Wegweiser-Menhire gefunden und dadurch auch die megalithischen Pfade durch Tirol wiederentdeckt.
Die Schalensteine Tirols – steinerne Boten aus der Vergangenheit
Die Schalensteine rund um Innsbruck, des Wipptales und nördlich des Inns.
Die Schalensteine Tirols – steinerne Boten aus der Vergangenheit
Alpine Wegweiser und mehr und deren Übersetzung Ötztal, Pitztal, Kaunertal, Unterland, die Menhire und Steinkreise Tirols,
die Hack- und Bohrtechnik
Das Klima:
Warum führten die Pfade von Nord nach Süd in so großer Höhe?
Eine Frage, die oft gestellt wird, die aber leicht zu beantworten ist. Kurz nach dem Ende der Eiszeit stieg die Temperatur zwar rasant an, ca. 4-6° über dem momentanen Wert, aber das Abschmelzen der Gletscher ginge langsam vor sich. So reichte der Gschnitztaler Gletscher bis über Matrei am Brenner hinaus, der Stubaitaler Gletscher bis fast zur heutigen Sillschlucht, vor Innsbrucks Toren, begleitet von reißenden Bächen.
Das gleiche gilt auch für das Ötztal, Zillertal und Kaunertal. Im Inntal mäanderte der heutige Inn als reißender Strom durch die gesamte Talbreite und war wahrscheinlich nur an speziellen Furten passierbar. Außerdem war es in den feuchten Tälern im Sommer extrem heiß, von Myriaden von Mücken geplagt zog Tier & Mensch hinauf in die Höhe.

Die Waldgrenze reichte bis 2400m ins Hochgebirge hinauf und das Jagdgebiet dadurch ebenfalls.
Daher suchten die wenigen, damals durch unser Land wanderten Klein-Gruppen ihre Wohn & sommerlichen Jagdlagerplätze in einer Höhenlage vom Mittelgebirge bis 2400 Höhenmeter.
Schalenstein im Viggartal auf dem Weg zum bschriebenen Stein
Eine schöne klimatische Studie darüber, können Sie den Bericht von unserem Teamkollegen Ing. Josef Höfer, „Auf Schalensteinpfaden und uralten Wegen von Innsbruck in den Süden" auf der Homepage www.ratiastone.com lesen.



